Mindeststandards für Mitarbeiterausbildung

Mindeststandards für die

Kinder- und Jugendleiter-,  Jugendleiterinnenausbildung

des Landesverbandes der Ev. Jugend in Hessen

Oktober 2010

Verabschiedet MV am 26.10.2010

64287 Darmstadt, Erbacher Str. 17, Telefon 06151 / 6690 - 118, FAX 06151 / 6690 – 140, www.lvejh.de

 

Inhalt

  • Evangelische Kinder- und Jugendarbeit in Hessen                                                     

  • Kinder- und JugendleiterInnenausbildung in Hessen                                                    

  • Rahmenbedingungen                                                                                                        

  • Pädagogische Prinzipien                                                                                                   

  • Bausteine                                                                                                                           

  • Qualifizierte Kinder- und JugendleiterInnenausbildung als Grundlage der

  • Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements

 

Evangelische Kinder- und Jugendarbeit in Hessen

Evangelische Kinder- und Jugendarbeit

Angesichts der vielfach beschriebenen gesellschaftlichen Modernisierungsentwicklungen ist

davon auszugehen, dass


· einerseits die zu bewältigenden Herausforderungen an Kinder und Jugendliche für eine

   gelingende gesellschaftliche Integration beständig steigen und

· andererseits parallel hierzu die Anforderungen an eine entwicklungsunterstützende und -

   fördernde Kinder- und Jugendgruppenarbeit immer weiter wachsen.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Anforderungen im Hinblick auf die Qualifikation und Qualifizierung von Kinder- und JugendleiterInnen in der Jugendarbeit ebenfalls steigen. Unter Kinder- und JugendleiterInnen wird hier insbesondere verstanden:


· LeiterInnen von Kinder- und Jugendgruppen,

· LeiterInnen von Freizeiten, Bildungsveranstaltungen und Begegnungen,

· LeiterInnen von Projekten und Projektgruppen,

· LeiterInnen von Jugendclubs

· LeiterInnen der jugendverbandlichen Interessenvertretungsorgane


Bezugspunkt der Tätigkeit von Kinder- und JugendleiterInnen in der Kinder- und Jugendarbeit ist die Gruppe.

Festzustellen ist, dass es nicht mehr genügt, dass beispielsweise aus ehemaligen Mitgliedern einer Kinder- oder Jugendgruppe - wie dies insbesondere in der Arbeit von Jugendverbänden der Fall war und z. T. immer noch ist - Kinder- bzw. JugendleiterInnen werden.

Kinder- und JugendleiterInnen benötigen mehr denn je eine nachweisbare pädagogische Qualifikation, um den an sie gestellten Anforderungen und Herausforderungen kompetent begegnen zu können.

 

 

Kinder- und Jugendarbeit im Wandel

Heutzutage ist die Gruppe nicht mehr nur der Ort, an dem Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen und FreundInnen treffen und durch gemeinsames Handeln ein Gefühl der

Zugehörigkeit, des „Wir-Gefühls“ oder „Wir-Bewusstseins“ entsteht. Vielmehr steht die Frage

im Mittelpunkt, welche „Wirkungen“ die Gruppenzugehörigkeit beispielsweise auf die

Entwicklung sozialer Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, die Entwicklung

einer wertgebundenen Orientierung u. a. hat, und wie und unter welchen Bedingungen diese

„Wirkungen“ bewusst erreicht bzw. verbessert werden können.

Die evangelische Arbeit von, mit und für Kinder und Jugendliche erhält somit, neben ihrem Erlebnisgehalt für die einzelnen Mitglieder, zentrale Bedeutung als Erfahrungs- und Lernfeld sowie wertgebundene Orientierungsangebote. Evangelische Kinder- und Jugendarbeit vermittelt damit Schlüsselqualifikationen, die an keiner anderen Stelle im Sozialisationsgefüge - weder in der Familie, noch in der Schule noch in der Clique - in gleicher Art und Weise gelernt werden können.


Im Zentrum: Qualifizierte Kinder- und JugendleiterInnen

Kinder- und Jugendarbeit basiert auf dem Prinzip der Leitung der Gruppe durch eine/n

LeiterInnen. Je nach pädagogischem Verständnis differiert dabei der Altersabstand zwischen

Gruppenmitgliedern und LeiterInnen. Ebenso unterscheidet sich je nach pädagogischem

Ansatz und Wertehintergrund die Ausbildung bzw. die Ausbildungsdauer und deren Inhalte für Kinder- und JugendleiterInnen.


Angesichts wachsender Herausforderungen an die Kinder- und Jugendarbeit sowie der

Notwendigkeit ihrer Sicherung und Weiterentwicklung, erscheint die Beschreibung und

Festlegung verbindlicher Ausbildungsinhalte und Ausbildungszeiten - verstanden als

Mindeststandards für Ausbildungen von LeiterInnen in der Kinder- und Jugendarbeit -

notwendig.


Kinder- und JugendleiterInnenausbildung in Hessen

Qualifizierung und Qualitätssicherung

Die Schulung und Qualifizierung von Kinder- und JugendleiterInnen ist seit jeher zentrales

Thema und Aufgabe der Kinder- und Jugendarbeit. Im Kinder- und

Jugendhilfegesetzes (KJHG) fordert der Gesetzgeber, dass die Ausbildung für ehrenamtliche

MitarbeiterInnen bei einer von Veränderung und Weiterentwicklung geprägten Kinder- und

Jugendarbeit unverzichtbar ist.


Eine an Mindeststandards orientierte Ausbildung von Kinder- und JugendleiterInnen in der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit bietet Gewähr für eine fundierte und qualifizierte Ausbildung und stellt damit einen zentralen Beitrag zur Qualitätssicherung in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit dar.


Mindeststandards konkret

Die Ausbildung von Kinder- und JugendleiterInnen geschieht in der Verantwortung von

Jugendverbänden, Jugendpflegen und sonstigen Trägern der Kinder- und Jugendarbeit.

Das spezifisch-trägerorientierte Ausbildungskonzept ist Grundlage der Ausbildung von Kinder- und JugendleiterInnen. Die Ausbildung ist - unabhängig welcher Träger diese verantwortlich durchführt - an folgende Standards gebunden:


I. Rahmenbedingungen

II. Pädagogische Prinzipien

III. Bausteine
 

t Baustein Entwicklungsprozesse im Kindes- und Jugendalter

t Baustein Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen

t Baustein Arbeit in und mit Gruppen

t Baustein Rolle, Aufgaben und Selbstverständnis von Kinder- und JugendleiterInnen

t Baustein Aufsichtspflicht, Haftung, Versicherung

t Baustein Organisation und Planung

t Baustein Religion, Theologie und christliche Orientierung


Die Bausteine benennen verbindliche Inhalte (t). Die genannten „Möglichen Themen“

verstehen sich als Vorschläge zur Umsetzung.


Rahmenbedingungen

Die Träger von Ausbildungen für Kinder- und JugendleiterInnen verpflichten sich zur
Erarbeitung und kontinuierlichen Fortschreibung eines Ausbildungskonzeptes.

Die Ausbildung für Kinder- und JugendleiterInnen umfasst mindestens 40 Zeitstunden.

Das Mindestalter für TeilnehmerInnen an der Ausbildung für Kinder- und JugendleiterInnen

beträgt 16 Jahre. In besonders von Trägern zu begründenden Fällen ist bereits im Alter von 15 Jahren eine Teilnahme an einer Ausbildung als Kinder- und JugendleiterIn möglich.

 

Pädagogische Prinzipien

In den Ausbildungen von Kinder- und JugendleiterInnen sind grundlegende pädagogische
Prinzipien zu beachten, die im Folgenden näher beschrieben werden.

Ein zentrales Prinzip ist die TeilnehmerInnenorientierung und Subjektbezogenheit. D.h.,
die Ausbildung orientiert sich eng an den Motiven, Interessen, Bedürfnissen und Fähigkeiten
der Teilnehmenden und ist als ein Prozess wechselseitiger Kommunikation und Kooperation zu planen und zu entwickeln. Dabei sind aktuelle Gruppenprozesse im Verlauf der Seminare angemessen zu berücksichtigen (Prozessorientierung). Diese Prinzipien sollten durch ein
(paritätisches) Team als Modell für die TeilnehmerInnen erlebbar werden.

Ein weiteres pädagogisches Prinzip ist die Erfahrungsorientierung bzw. Erlebnisorientierung, die es den Teilnehmenden ermöglicht, sich durch unmittelbares, eigenes „Erleben“, neue Bereiche zu erschließen, Kenntnisse zu erlangen und Erfahrungen zu machen. Dazu sind Situationen zu schaffen und Prozesse zu initiieren, die dies ermöglichen und die Raum für den Austausch in der Gruppe lassen.

Projektorientierung heißt, dass Lernen an realen Abläufen ermöglicht und ein unmittelbarer Bezug zur Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden hergestellt wird.

Das Prinzip des exemplarischen Lernens, das hier ebenfalls Eingang finden soll, besagt, dass die vielfältige, oft undurchschaubaren Zusammenhänge der (Alltags-)Wirklichkeit in der Kinder- und JugendleiterInnenausbildung auf ihren Grundgehalt zurückgeführt werden, ohne dabei die Realität zu verfälschen.

Der Grundsatz der Ganzheitlichkeit besagt, dass die verschiedenen Dimensionen des Menschen (psycho-motorische, sozial-kommunikative, emotional-affektive, biologisch-vitale, kognitiv-rationale, ethisch-wertende) als Wirkgeflecht anzusprechen sind. Deshalb sind Lernsituationen so zu gestalten, dass die zu vermittelnden Inhalte über möglichst vielfältige Sinneserfahrungen zu erfassen sind.

Ein weiteres pädagogisches Prinzip ist die Handlungsorientierung. Das bedeutet im Sinne von „learning by doing“, dass die Teilnehmenden die Inhalte und Methoden der Ausbildung sowohl in der Lerngruppe als auch in der Kinder- und Jugendarbeit vor Ort umsetzen und weiterentwickeln können.

Zielgruppenorientierung in der Ausbildung bedeutet, dass Ziele, Inhalte und Methoden sich eng an der Lebenswelt, den Interessen und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientieren.

Ausbildungsangebote für Kinder- und JugendleiterInnen haben sich zudem dadurch auszuzeichnen, dass in ihnen ein vielfältiges Repertoire an Methoden vorgestellt und genutzt wird. Methoden sind pädagogische Hilfsmittel, die dazu dienen, Inhalte zu vermitteln bzw. Prozesse in Gang zu setzen. Ein breites Kennenlernen, wie auch die Nutzung unterschiedlicher Methoden, soll LeiterInnen in die Lage versetzen, Methoden bewusst und differenziert auszuwählen, um sie situationsgerecht einsetzen zu können.

 

 

Baustein

 

 

Entwicklungsprozesse im Kindes- und Jugendalter

 

Das Kindes- und Jugendalter zeichnet sich durch besondere alters- und

geschlechtsspezifische Entwicklungsprozesse aus. Damit Kinder- und JugendleiterInnen

individuelle Situationen und Verhalten der Kinder und Jugendlichen verstehen und

entsprechend in ihrem Verhalten wie auch in ihrem Angebot auf den jeweiligen

Entwicklungsstand von Kindern und Jugendlichen bezogen agieren und reagieren können,

bedarf es Grundkenntnisse über deren Entwicklung.

 

Deshalb sollen Inhalte aus den Bereichen psychomotorischer, kognitiver, emotionaler und

sozialer Prozesse vermittelt werden.

 

Folgende verpflichtende Inhalte sind anzusprechen:

 

Verbindliche Inhalte:

 

Psychische, kognitive und soziale Entwicklung

 

Mögliche Themen können sein:

· Entwicklung kognitiver Fähigkeiten (Problemwahrnehmung und Problemlösungen)

· Entwicklung und Verständnis von Rollen (Geschlechterrollen, soziale Rollen)

· Entwicklung sozialer Kompetenz (Kooperation, Konfliktlösung, Selbstbewusstsein)

 

Körperliche Entwicklung

 

Mögliche Themen können sein:

· Körperwachstum und motorische Entwicklung

· Pubertät und Adoleszenz

 

Störung der psycho-sozialen Entwicklung

 

Mögliche Themen können sein:

· emotionale, materielle und körperliche Vernachlässigung

· sexualisierte Gewalt

· Gewalt unter Gleichaltrigen

 

Besondere Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung

 

Mögliche Themen können sein:

· Identität und Orientierung

· Sexismus und Diskriminierung

· Sexualität und Partnerschaft

· Werte und Normen

· Zukunftsplanung

 

 

Baustein

 

 

Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen

 

 

Eine den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht werdende Gruppenarbeit

erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Lebenswelt. Dabei sind milieu- und

geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen und altersbezogene Probleme und

Erfahrungen angemessen zu berücksichtigen.

 

 

Verbindliche Inhalte:

 

Alltag von Kindern und Jugendlichen

 

Mögliche Themen können sein:

· Familienstruktur

· Werte

· Freizeiträume, Freizeitmöglichkeiten, Cliquen

· Schule und Ausbildung

· Umgang mit Medien und informationelle Selbstbestimmung

 

Soziokulturelle Unterschiede

 

Mögliche Themen können sein:

· Städtischer und ländlicher Alltag

· Unterschiedliche ethnische und kulturelle Lebenszusammenhänge

· Soziale Lage von Kindern und Jugendlichen

 

Geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen

 

Mögliche Themen können sein:

· Alltagserfahrungen von Mädchen und Jungen

· Lebensperspektiven von Mädchen und Jungen

· Pluralität von Lebensformen und sexuelle Identitäten

 

Bearbeitung exemplarischer Erfahrungs- und Problemfelder

 

Mögliche Themen können sein:

· Arbeitslosigkeit und berufliche Perspektiven

· Partizipation von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen gesellschaftlichen

Bereichen

· Gewalt und Jugendkriminalität

· Gefährdung des Kindeswohls und sexualisierte Gewalt

· Drogen und Suchtverhalten

· Lebensstile

· Zukunftsvisionen von Kindern und Jugendlichen

· Frage des Umgangs mit demokratie- und menschenfeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft

 

Baustein

 

Arbeit in und mit Gruppen

 

Für die Arbeit in und mit Gruppen benötigen Kinder- und JugendleiterInnen

gruppenpädagogische Kenntnisse und Erfahrungen. Der bewusste Umgang mit

Gruppenprozessen bildet die Voraussetzung für die Motivierung, Qualifizierung und

längerfristige Bindung von Kindern und Jugendlichen in der Gruppe bzw. im Verein/ Verband. Es soll die Fähigkeit gefördert werden, Interessen und Erwartungen der Gruppenmitglieder wahrzunehmen und angemessen zu berücksichtigen.

 

Darüber hinaus sollen partnerschaftliche Verhaltensformen entwickelt und gefördert, sowie

das eigene Selbst- und Rollenverständnis kritisch reflektiert werden. Hierbei gilt es, die

Eigen- und Mitverantwortlichkeit der Gruppenmitglieder zu fördern und für ein diskriminierungsfreies Miteinander, für Fragen von Nähe und Distanz, Körperlichkeit und Selbstbestimmung zu sensibilisieren.

 

 

Verbindliche Inhalte:

 

Definition und Formen von Gruppen

 

Mögliche Themen können sein:

· Altersgemischte Gruppen

· Groß-Kleingruppen

· Geschlechtsspezifische Gruppen

· Projektorientierte Gruppen

 

Erkennen und Gestalten von Gruppenprozessen

 

Mögliche Themen können sein:

· Entwicklungsphasen von Gruppen

· Rollen in Gruppen

· Kommunikationsmerkmale in Gruppen

· Programmgestaltung in unterschiedlichen Gruppenphasen, insbesondere in Anfangs- und

Schlusssituationen

 

Entscheidungsfindung und Beteiligungsmodelle

 

Mögliche Themen können sein:

· Konsensmodelle

· Konfliktlösungsstrategien und Interventionskompetenzen

 

Reflexion von Gruppensituationen und der eigenen Rolle in der Gruppe

 

Mögliche Themen können sein:

· Störungen, Konflikte und Gewalt in Gruppen erkennen und bearbeiten

· Sensibilisierung für ein diskriminierungsfreies Miteinander

· Stellung der Gruppe in ihrem Umfeld

· Geschlechts- und gruppenspezifisches Rollenverhalten

· Gruppennormen und persönliche Grenzen

· Sexualisierte Grenzverletzungen und Übergriffe in der Gruppe, von sexueller Gewalt     betroffene Kinder und Jugendliche in der Gruppe

· Methoden zur Reflexion und zum Feedback                                                                   

 

Baustein

 

 

Rolle und Selbstverständnis von Kinder- und JugendleiterInnen

 

Um den Leitungsaufgaben gerecht zu werden, bedarf es neben grundlegenden

Fachkenntnissen, der ständigen Weiterentwicklung der Persönlichkeit der Kinder- und

JugendgruppenleiterInnen.

 

Deshalb ist die Förderung von Persönlichkeitseigenschaften im Bereich der individuellen

sozialen Kompetenz ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung.

 

Ebenso gilt es Fehler, die in der Arbeit mit Menschen unvermeidbar sind, zu reflektieren und

damit dem Erfahrungswissen zugänglich zu machen und für die eigene Vorbildfunktion, für Fragen des respektvollen Umgangs miteinander, für Nähe und Distanz und die Grenzen des eigenen Verantwortungsbereiches zu sensibilisieren.

 

 

Verbindliche Inhalte:

 

Persönlichkeitsentwicklung

 

Mögliche Themen können sein:

· Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein

· Eigene Grenzen und Kompetenzen

· Kritikfähigkeit

· Selbstreflexion

· Rollenverständnis und Motivation

· Bedeutung der Geschlechtsidentität

 

Leitungskompetenz

 

Mögliche Themen können sein:

· Führungs- und Leitungsstile

· Rhetorik und Kommunikationsfähigkeit

· Moderation

· Nähe und Distanz zur Gruppe

· Grenzen der Kompetenz und des Verantwortungsbereichs

· Verhalten bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung

 

Teamfähigkeit

 

Mögliche Themen können sein:

· Entscheidungs-, Konflikt- und Kooperationsfähigkeit

· Feedback

· Teamstrukturen

· respektvoller Umgang miteinander

 

 

 

Baustein

 

Aufsichtspflicht, Haftung, Versicherung

 

Zum Themenkomplex Aufsichtspflicht, Haftung und Versicherung sollen in der Kinder- und

JugendleiterInnen-Ausbildung die wesentlichen Rechtsinhalte für die Praxis vermittelt werden. Es geht dabei um Orientierungshilfen, die es erleichtern sollen, in unterschiedlichen Situationen angemessen und rechtssicher zu handeln.

 

Dabei ist es wichtig zu vermitteln, dass die Gesetze und die daraus entstehenden

Verpflichtungen nicht als Androhung von Strafen, sondern als Recht  von Kindern und Jugendlichen zu verstehen sind.

 

Verbindliche Inhalte:

 

Rechtliche Stellung der Kinder- und JugendleiterInnen

Mögliche Themen können sein:

· Geschäftsfähigkeit

· Haftungsfähigkeit

· Schuldfähigkeit

· Personensorgeberechtigte, Erziehungsberechtigte

· Recht auf Sonderurlaub

 

Bedeutung und Umfang der Aufsichtspflicht

Mögliche Themen können sein:

· Grundsätze und Erfüllung der Aufsichtspflicht

· Einverständniserklärungen der Eltern

· besondere Gefahrenpunkte (z.B. Schwimmen, Bergwandern, Straßenverkehr etc.)

· Regeln bei Freizeiten, Lagern und Seminaren

 

Schutz vor Kindeswohlgefährdung/Präventionskonzept

Mögliche Themen können sein:

· Leitbild, Verhaltenskodex, Selbstverpflichtung

· Rechtliche Grundlagen

· Umgang mit Krisensituationen, Interventionsmöglichkeiten bei Grenzverletzungen

· Professionelles Krisenmanagement

 

Sexualität und Aufsichtspflicht

Mögliche Themen können sein:

· Rechtliche Stellung und Pflichten von Jugendleiter/innen

· Sexualität und Strafrecht

· Rechtsnormen zur sexuellen Selbstbestimmung

 

Rechtliche Konsequenzen von Aufsichtspflichtverletzungen

Mögliche Themen können sein:

· Haftungsrechtliche Folgen

· Strafrechtliche Folgen

 

Haftung und Haftungsbegrenzung

Mögliche Themen können sein:

· Grundsätze der Haftung

· Haftung im Rahmen der Aufsichtspflicht

· Haftung im Rahmen von Veranstaltungen

· Vereinshaftung                                                                                                                 

Versicherungen

 

Mögliche Themen können sein:

· Versicherungen des Verbandes/des Vereines

· Haftpflichtversicherung

· Unfallversicherung

· Krankenversicherung

· Insolvenzschutz

· Zusatzversicherungen (z.B. Reise-, Kfz.-Versicherungen)

 

Jugendschutzgesetz

 

 

Baustein

 

 

Organisation und Planung

 

 

Die Tätigkeit als Kinder- und JugendleiterIn beinhaltet im besonderen Maße organisatorische

und planerische Kompetenz. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, Grundlagen der

Organisation und Planung zu vermitteln.

 

Ziel dieses Bausteins ist die Vermittlung von Grundlagen der Organisation, Planung und

Öffentlichkeitsarbeit.

 

Verbindlicher Inhalt:

 

Organisation und Planung

Mögliche Themen können sein:

· Zielsetzungs- und Planungsmodelle

· Programm und Veranstaltungsplanung (Gruppenstunden, Projekte, Freizeiten...)

· Finanzen (Zuschüsse, TeilnehmerInnenbeiträge...)

· Ergebnissicherung (Protokoll, Veröffentlichung)

· Strukturen des/der jeweiligen Verbandes/Organisation

· Öffentlichkeitsarbeit

· Strukturelle Absicherung des Kinder- und Jugendschutzes in den Maßnahmen

· Transparente und reflektierte Betreuungsstrukturen

 

 

 

Baustein

 

 

Religion, Theologie und christliche Orientierung

 

 

Ev. Kinder- und Jugendarbeit geschieht im Spannungsfeld des Evangeliums und der

Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, „junge Menschen in ihren

Lebenswelten und Lebensperspektiven wahr und ernst zu nehmen, ihnen das Evangelium von Jesus Christus bekannt und erfahrbar zu machen und sie auf der gemeinsamen Suche nach einer gelingenden Gestaltung christlicher Lebens- und Handlungsperspektiven zu begleiten.“

(Auszug aus Präambel der Ordnung der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit der EKHN,

15.02.2007)

 

Verbindliche Inhalte

 

Christliche Spiritualität kennenlernen und erfahren

Mögliche Themen können sein:

· Inhalte und Formen christlicher Spiritualität umsetzen in die Praxis der Kinder- und

  Jugendarbeit, z.B. Meditationen, Andachten und Gottesdienste gestalten,

  Gemeinschaft erfahrbar machen

· Meine „christlichen Werte“ als Lebensorientierung

· Aktualität religiöser Werte und christlicher Ethik

 

Mit den eigenen Glaubensfragen auseinandersetzen

 

Mögliche Themen können sein:

· Fragen nach Gott / Wer ist das?

· Glauben im Alltag / Sinnsuche und Glaubensfragen

 

Die Bibel als Grundlage des christlichen Lebens

 

Mögliche Themen können sein:

· Umgang mit biblischen Texten / Verschiedene Zugänge eröffnen

· Das befreiende Handeln Gottes an Männern und Frauen in der Bibel kennenlernen

· Jesus von Nazareth: Gottessohn - Menschensohn

· Konsequenzen der befreienden Botschaft des Evangeliums heute

 

Erlass zur Jugendleiter/innen-Card vom 22.07.2010

 

 

 

 Bestimmungen zur Anwendung der Jugendleiter/innen-Card in Hessen

 

Um die Stellung der meist ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätigen Personen zu stärken und ihnen für ihre vielfältigen Aufgaben eine amtliche Legitimation zu geben, die in allen Bundesländern gleichermaßen anerkannt wird, waren die Obersten Landesjugendbehörden mit Beschluss vom 12./13. November 1998 übereingekommen, einen bundeseinheitlichen Ausweis, die Jugendleiterinnen/-leiter-Card, für Jugendleiterinnen/-leiter einzuführen. Diese Vereinbarung wurde geändert und ergänzt durch den Beschluss der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden vom 17./18. September 2009. Der Ausweis soll den ehrenamtlich tätigen Jugendleiterinnen und Jugendleitern eine amtliche Legitimation geben, die ihnen die Ausübung ihrer Tätigkeit erleichtert und bundesweit anerkannt ist. Die Card soll Jugendleiter/-innen ausweisen, als Qualifikationsnachweis dienen, sie in ihrer Stellung stärken, in der Erfüllung ihrer Aufgaben in der Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen unterstützen und in ihrem Engagement fördern. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Jugendleiter-Card ist zum 1. Dezember 2009 in Hessen ein Online-Antragsverfahren eingeführt worden. Zu den Aufgabenbereichen von Jugendleiter/-innen gehören gemäß § 11 SGB VIII insbesondere: Organisation und Durchführung von:

 

Kinder- und Jugendgruppenarbeit

Freizeiten für Kinder und Jugendliche

Internationale Begegnungen

Bildungsveranstaltungen

Leitung von Fach-, Neigungs- und Projektgruppen

Veranstaltungen zur politischen Interessenvertretung

Veranstaltungen zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit

 

Aufgrund der gegenseitigen Anerkennung durch die Obersten Landesjugendbehörden können die an die Jugendleiter-Card geknüpften Vergünstigungen in allen deutschen Bundesländern in Anspruch genommen werden.

 

 

Für die Ausstellung der Card gelten folgende Bestimmungen:

I. Voraussetzungen

 

1) Die Card ist in erster Linie für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit bestimmt. Sie kann auch für neben- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen/-mitarbeiter ausgestellt werden, soweit sie wie Jugendleiterinnen/-leiter tätig werden.

 

2) Voraussetzung ist in der Regel, dass der Jugendleiter/ die Jugendleiterin:

für eine dem Hessischen Jugendring angehörende Jugendorganisation (Jugendverband od. Jugendgemeinschaft) oder

für einen sonstigen gemäß § 75 SGB VIII anerkannten Träger der freien Jugendhilfe oder

für einen Träger der öffentlichen Jugendhilfe tätig ist.

 

3) Die/der Jugendleiter/-in muss über pädagogische und rechtliche Kenntnisse im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verfügen und in der Lage sein, verantwortlich Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen zu gestalten. Soweit pädagogische und rechtliche Kenntnisse nicht durch Berufsausbildung oder Studium erworben sind, ist die Teilnahme an einer Jugendleiter/-innenausbildung erforderlich, in der folgende Themen behandelt werden:

 

Arbeit in und mit Gruppen

 

o Definition und Formen von Gruppen

o Erkennen und Gestalten von Gruppenprozessen

o Entscheidungsfindung und Beteiligungsmodelle

o Reflexion von Gruppensituationen

 

Aufsichtspflicht, Haftung, Versicherung

 

o Rechtliche Stellung der Jugendleiter/-in

o Aufsichtspflicht (Bedeutung und Umfang der Aufsichtspflicht, Sexualität und

Aufsichtspflicht, rechtliche Konsequenzen von Aufsichtspflichtverletzungen)

o Haftung und Haftungsgrenzen

o Versicherungen

o Schutz vor Kindeswohlgefährdung

o Jugendschutzgesetz

 

Organisation und Planung

 

o Programmdurchführung

o Geschäftsführung

 

Entwicklungsprozesse im Kindes- und Jugendalter

 

o Psychische, kognitive und soziale Entwicklung

o Körperliche Entwicklung

o Besondere Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung

 

Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen

 

o Alltag von Kindern und Jugendlichen

o Soziokulturelle Unterschiede

o Geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen

o Bearbeitung exemplarischer Erfahrungs- und Problemfelder, beispielhaft die Frage des       Umgangs mit demokratie- und menschenfeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft

   

Rolle und Selbstverständnis von Jugendleiter/-innen

 

o Persönlichkeitsentwicklung

o Leitungskompetenz

o Teamfähigkeit

 

Über die Ausbildung ist ein Nachweis zu führen; sie umfasst mindestens 40 Zeitstunden.

 

 

4) Die/der Jugendleiter/-in muss mindestens 16 Jahre alt sein. In vom Träger besonders zu begründenden Fällen kann die Card auch für Jugendleiter/-innen im Alter von 15 Jahren ausgestellt werden.

5) Als weitere Voraussetzung ist der gültige Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an einem Lehrgang „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“ i. S. d. § 19 Fahrerlaubnisverordnung erforderlich. Dieser Nachweis darf nicht älter als zwei Jahre sein.

 

II. Zuständigkeit und Verfahren

1) Zuständig für die Ausstellung der Jugendleiter-Card (d.h. konkret für deren Bestellung und gegebenenfalls Aushändigung) sind die Träger, für die ein/e Jugendleiter/in tätig ist und die Jugendämter. Der Träger, für den ein/e Jugendleiter/in tätig ist, ist dafür verantwortlich zu prüfen, ob die/der Jugendleiter/in die Voraussetzungen nach Ziffer I dieser Richtlinie erfüllt. Mit der Freigabe des Antrags bestätigt der Träger die Korrektheit der gemachten Angaben. Der öffentliche Träger (Jugendamt) prüft die Berechtigung des freien Trägers zur Beantragung von Juleicas und die sachliche Richtigkeit der Angaben im Antrag. Der öffentliche Träger genehmigt die Jugendleiter-Card abschließend durch die Druckfreigabe.

2) Die örtliche Zuständigkeit bestimmt sich nach dem Sitz des Trägers oder dessen Untergliederung, für die der Jugendleiter/die Jugendleiterin überwiegend tätig ist.

3) Der Antrag muss Online auf dem Antragsportal: www.juleica.de erfolgen. Die Jugendleiterin / der Jugendleiter bzw. die Jugendhilfeorganisation / der Jugendhilfeträger können den Antrag stellen. Der für den Online-Antrag vorgesehene Verlauf sowie dessen Vorgaben sind dabei einzuhalten.

4) Die freien und öffentlichen Träger können bei Bedarf Nachweise anfordern:

über die erfolgreiche Teilnahme an einer Ausbildung nach I.3 oder

über ausreichende pädagogische Kenntnisse durch Berufsausbildung oder Studium und

über die erfolgreiche Teilnahme an einem Lehrgang „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“.

 

5) Die Ausweise können über den Träger an die Berechtigten ausgehändigt werden.

 

6) Die Ausgabe der Jugendleiter-Card dient dem gesetzlichen Auftrag zur Unterstützung ehrenamtlicher Tätigkeit (§ 73 SGB VIII) und liegt somit im öffentlichen Interesse. Für die Ausstellung ist daher keine Gebühr zu erheben.

 

7) Die Card besitzt eine Gültigkeitsdauer von maximal 3 Jahren. Nach Ablauf dieser Dauer ist eine Folgebeantragung im Rahmen der unter Abschnitt III genannten Voraussetzungen möglich.

 

8) Die Card ist dem Jugendamt unverzüglich zurückzugeben, wenn die Voraussetzungen für ihre Ausstellung gem. I.2 entfallen sind.

 

9) Der Verlust der Card ist dem Jugendamt unverzüglich mitzuteilen.. Voraussetzungen bei Folgeanträgen

1) Jede Jugendleiterin / jeder Jugendleiter hat die Möglichkeit, einen Antrag auf Verlängerung der Card zu stellen (Folgeantrag). Der Folgeantrag muss innerhalb einer Frist von 3 Jahren nach Ablauf der Card erfolgen.

 

2) Die Jugendleiterin / der Jugendleiter muss hierfür an einem Fortbildungsangebot im Umfang von mindestens 8 Zeitstunden (entsprechend 10 Schulungseinheiten) in einem der unter I.3 genannten Themenbereiche teilnehmen.

 

3) Ein erneuter Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an einem Lehrgang „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“ ist nicht notwendig, jedoch empfehlenswert.

 

 

IV. Schlussbestimmungen

1) Diese Bestimmungen treten am 1. September 2010 in Kraft.

 

2) Die nach den bisherigen Bestimmungen ausgestellten oder verlängerten Ausweise behalten ihre Gültigkeit. Eine Verlängerung dieser Ausweise ist ausgeschlossen.

 

3) Der Erlass vom 1. September 1999 wird aufgehoben.

 

 

Wiesbaden, den 22.07.2010

 

II 2a– 52 m 0600-0001 – Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit

 

gez. Unterschrift

(Cornelia Lange)

 

 

Die Jugendleiter-Card wird weiterhin bundeszentral hergestellt durch die Firma NOVO-Organisationsmittel GmbH

 

Lievelingsweg 102 – 104 53119 Bonn

Tel. +49 [0]228 98 98 4-0

Fax +49 [0]228 98 98 4-99

E-Mail info@NOVO.de

 

Die NOVO GmbH hat einen eigenen gesicherten, zertifizierten Zugang zur Datenbank, um sich die Daten für den Card-Druck abzurufen. Es werden lediglich die Daten übertragen, die für den Druck der Juleicas benötigt werden.

Die Druckerei ruft in regelmäßigen Abständen die Daten ab, druckt die Cards und versendet sie direkt an die Jugendleiter/innen bzw. an die ggf. eingegebene alternative Lieferadresse. Wenn der Druck und Versand abgeschlossen ist, erfolgt eine nochmalige Benachrichtigung des Jugendleiters/der Jugendleiterin über den Versand der Card

 

Entwicklung und Umsetzung: Computer Development & Consulting - www.computer-dc.de
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